Zum Gebrauch des Kantonesischen als Stilmittel in zeitgenössischer Literatur aus Hongkong

Joern Peter Grundmann, Ph.D.


Dieser Vortrag möchte zeigen, wie durch die Verwendung des Kantonesischen und anderer Topolekte in standardchinesischen Texten der Hongkonger Gegenwartsliteratur verschiedene soziopolitische Spannungen thematisiert werden, die der Diglossie in der modernen Hongkonger Gesellschaft zugrunde liegen. Die Relevanz dieses Vorhabens lässt sich aus der Geschichte der modernen Hongkonger Literatur selbst begründen. Yau Sai Man 邱世文 (1951–1998) führte als Erster das geschriebene Kantonesische in die „ernste“ Literatur ein, indem er dessen Verwendung eng an  Michail Bachtins Dialogizitäts-Modell anlehnte. Diese Idee wurde dann im späten 20. und frühen 21. Jahrhundert von bedeutenden Literaten wie Dung Kai Cheung 董啟章 und Wong Bik-wan 黃碧雲 erneut aufgegriffen und weiterentwickelt. Diesen und vielen anderen Hongkonger Schriftstellern dient die kantonesische Umgangssprache als literarische Form und ist daher untrennbar mit der literarischen Botschaft ihrer Werke verbunden.

Der oftmals identitätspolitisch gelesene Gebrauch von dialektalen Elementen in der Hongkonger Literatur muss daher, so das Argument dieses Vortrags, in vielen Fällen als eine bewusst konstruierte Form der Heteroglossie verstanden werden.

 

Joern Peter Grundmann hat Sinologie in Bonn, Taipei und Edinburgh studiert. Nach akademischen Anstellungen in Hongkong und Kaohsiung leitet er seit Juni 2026 das Ostasienzentrum am Lehrzentrum Sprachen und Kulturen der TU Dresden. Er forscht unter anderem zur politischen Ideengeschichte im vorklassischen China sowie zur kantophonen Gegenwartsliteratur.

Der Vortrag findet auf Deutsch statt.

 

  • Di, 24. November 18.00 Uhr
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