Höfische Sammlungen im China der späten Kaiserzeit: Objekte und ihr Wert

Dr. Philip Grimberg (Goethe-Universität Frankfurt)

 

Das Sammeln kostbarer Objekte hat sich im kaiserzeitlichen China früh mit der Vorstellung verbunden, die Ordnung der Welt und des Kosmos, den Weg, dadurch nachvollziehen, ihn im Wortsinne begreifen zu können. Mit dem Sammeln antiker Jadeobjekte oder Bronzen ging eine Appropriation des als Ideal stilisierten Altertums einher, die in eine Ästhetisierung von Herrschaft und Herrschaftshandeln mündet, welche als politisches Programm die beiden hier vorgestellten Herrscherpersönlichkeiten prägen sollte. Der Impetus der Sammeltätigkeit der Kaiser Huizong (1101-1125) und Qianlong (1736-1796), die uns als Künstler- und Gelehrtenkaiser begegnen, entfaltet sich in einer in der Kunst ihren Ausdruck findenden Ikonographie von tugendhafter Herrschaft und moralischem Raffinement, welches sich in den Sammlungen der Kaiser verobjektivierte. Der Vortrag versucht aufzuzeigen, wie sich die Aspekte des Sammelns und der „Herrschaft der Tugend“ miteinander zu einem politischen Programm verbinden lassen, welche philosophischen, historischen und herrschaftsideologischen Grundlagen dabei eine Rolle spielen und wie sich diese Befunde letztlich in der Herrschaftspraxis der beiden Kaiser konkretisieren.




Dr. Phillip Grimberg ist Kulturwissenschaftler und Sinologe. Er befasst sich zurzeit insbesondere mit Themen und Fragen der materiellen Kultur Chinas seit der Song-Zeit, mit Erinnerungskultur und dem Schutz materieller Kulturgüter in der VR China. Er hat in Köln, Hangzhou und Peking studiert und wurde 2014 in Köln mit einer Arbeit über den Ming-zeitlichen Literaten und Kritiker Li Zhi (1527-1602) promoviert. Gegenwärig ist er Associate Fellow des Sinologischen Instituts der Goethe-Universität Frankfurt am Main, wo er sich mit einer Arbeit zum Thema "The Power of Things: Concepts of Identity, Memory, and History in Chinese Material Culture" habilitiert.

  • Mo, 08. Mai 2017, 18.00 Uhr

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